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#FürMehrRealitätAufInstagram – warum das Bullsh*t ist!

#FürMehrRealitätAufInstagram – warum das Bullsh*t ist!

Solltest du nicht auf Instagram unterwegs sein, fasse ich dir die Idee hinter dem Hashtag #fürmehrrealitätaufinstagram in einem Satz zusammen: eine derzeit boomende Trendbewegung, die sich mit vermeintlich authentischen Beiträgen gegen den Perfektionismus im sozialen Netzwerk richtet. Neben all den Rezepten und Testberichten hier auf dem Blog, möchte ich in diesem Beitrag darüber sprechen, warum dieser Trend kompletter Unsinn ist.
Bevor nun Heugabeln und Fakeln …ach ne… Hate-Kommentare gezückt werden, bitte ich euch beim Lesen auch den Sarkasmus zwischen den Zeilen mit aufzunehmen, aber auch die Macht deines Verstandes zu nutzen.

Hashtag Beliebteste Beiträge

Wirft man heute ein Blick auf die Beiträge mit dem Realitäts-versprechenden Hashtag, springt einem ein Potpourri aus 177k bunten Beiträgen entgegen. Tagesaktuell trenden dort beispielsweise eine Influencerin mit Zeitungsschnipseln im Gesicht geklebt und dazu ein Text über die heutige Informationsflut. Oder auch ein küssendes Pärchen, mit einer Herzchen-Gif-Animation und einigen Filtern drüber gelegt. Eine Sportlerin, die an einem Teich dehnend ihre neue Fitnessuhr in die Kamera präsentiert und über Menstruation schreibt – übrigens in einer weißen Hose und anstandslos frisiert wie auch geschminkt. Eine junge Dame, die sich bei Sonnenuntergang verkrampft aber breit lächelnd über einen Balkon lehnt oder auch ein süßer Hund, der unterlaubter weise hinter Frauchens Tellerrand blickt. Gymselfies in bekannterweise vorteilhafter Pose, aber weniger Schminke im Gesicht. Oder auch eine Motivations-Speakerin, die mit der Anwendung allgemeiner Präsentations- und Rhetorik-Techniken gegen die Geschlechter-Ungleichberechtigung kämpft.

Eigentlich das gewohnte Instagram Geschehen, welches einen Emotions-Mix aus Faszination, Inspiration und Fremdscham hervorruft. Um an dieser Stelle nicht alle über einen Kamm zu scheren: einige scheinen die Sache mit der Realität aber durchaus ernst zu nehmen und lichten sich im weniger hübschen Licht ab – andere hingegen bewerben darunter ihre neue Fitnessuhr unter absolut natürlichen Umständen.

Genau dieses Gemisch verschleiert die Realität auf Instagram noch mehr. Ein Bruchteil präsentiert sich tatsächlich mit keiner oder zumindest natürlicherer Schminke und machen dem Hashtag alle Ehre. Dieser Versuch wird jedoch von über der Hälfte an werblichen, bearbeiteten und gespielten Inszenierungen desillusioniert.
Lassen wir mal soziale Netzwerke außen vor und zücken unsere Kamera um für uns bestimmte Bilder zu knipsen (soll’s noch geben!). Nehmen wir nicht automatisch eine bessere Haltung ein? Richten wir nicht nochmal die Frisur? Stellen wir uns nicht doch noch ins bessere Licht oder vor eine schöne Kulisse?

In einem Interview mit Kevin Systrom, einem Mitgründer von Instagram, äußert sich die Prominenz unter anderem zur ursprünglichen Idee hinter dem sozialen Netzwerk: eine Möglichkeit, durch Filter und Werkzeuge schöne Bilder mit einer Community zu teilen. Fürmehrrealitätaufinstagram zählte Mr.Instagram weiter im Interview übrigens nicht unter seinen Lieblings-Hashtags auf.

Soziale Netzwerke wie Instagram wurden also dafür geschaffen, um hübsche oder gehübschte Bilder zu teilen. Dass daraus selbst der neue Geschäftszweig des Influencer Marketings entsteht und die Anzahl an Followern einen primären Einfluss auf den Umsatz eines Unternehmens ausübt, hätten sich die Urväter sozialer Netzwerke selber nicht erträumen können.

Instagram spiegelt grundsätzlich nicht die Realität wieder und das ist auch gut so. Denn wer sein Umfeld nicht nur noch durch das Display wahrnimmt, dürfte so ehrlich mit sich selbst sein, dass wir alle nicht 24/7 perfekt und makellos aussehen. Wer extrem ungeschönte Realität in virtuellen Medien kann seine Hirnzellen beim Konsumieren von Hartz 4 TV absterben lassen. Bauer sucht Frau oder Dschungelcamp braucht auf allen Kanälen wirklich kein Mensch!

Während ich diese Zeilen schreibe höre ich schon die ersten Stimmen rufen: “Der Perfektionismus verstört den ganzen pubertierenden Mädchen das Bild vom echten Leben. Alle sind davon überzeugt, dass Sportler grundsätzlich keine Süßigkeiten essen und jeder das perfekte Leben und wunderschöne Haut hat!”. Gerade diese Personen sollten mit den Filter- und Bearbeitungs-Funktionen bei Instagram bestens vertraut sein und wissen, dass man in der Realität nur selten auf Knopfdruck Make-Up oder die Umgebung wechseln kann. Oder einem Hundeohren wachsen.

Was sich in diesem 1:1, 4:3, 16:9 oder wie auch immer Format abspielt ist nunmal nicht die Realität. Auch wenn da ein #fürmehrrealitätaufinstagram Hashtag gesetzt ist. Und du wirst es auch nie erfahren, wenn die Person aus dem Bildschirm dir nicht physisch gegenüber steht.

 

Soziale Medien zeigen einen ausgewählten, minimalen Bruchteil aus unserem tatsächlichen Leben, der zudem selten ungeschönt ist. Selber nehme ich mich hier nicht außen vor. Meine Fitness-Bilder entstehen i.d.R. im besten Licht, von einem Fotografen, nachdem ich eine Diät und eventuell eine Entwässerung hinter mir habe. Auch der Teller mit dem neusten Gericht wird oftmals nochmal kräftig durchgerührt und mehr als die abgelichtete Potion gegessen. Dennoch versuche ich mir treu zu bleiben und behaupte nicht die nackte Realität in sozialen Netzwerken zu teilen. Es sind Momentaufnahmen aus meinem Leben, die ich gerne teile. Wenn ich mal einen schlechten Tag habe (das soll’s auch geben!), dann lege ich das Smartphone einfach mal zur Seite. Negativität und Meckerei haben auf sozialen Netzwerken nunmal nichts verloren. Du bist, was du konsumierst. Und deshalb wähle ich doch lieber das Positive, die Inspiration und die Motivation.

Mein Appell: legt mehr Wert auf das Leben, dass offline stattfindet – das wahre Leben. Lasst euch nicht von ausgewählten (Beweg-) Bildern in Medien verunsichern. Es wird nicht authentischer, wenn die Influencerin mit Botox und gemachten Brüsten sich ohne Makeup präsentiert. Oder der Sportler ein Eis in die Kamera hält, welches er durch weniger Kalorien in einer anderen Mahlzeit kompensiert. Der beliebteste Content ist meistens der werbliche. Und ein Plädoyer für mehr Realität in der Werbebranche wäre mir auch neu. Solange es uns die Inhalte unterhalten, motivieren, inspirieren oder zum Nachdenken bewegen, ist der Sinn von social media doch auch eigentlich erfüllt.

Für Mehr Verstand in der Realität!

#FürMehrVerstandInDerRealität



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